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„Es gibt viele wohnungslose Männer, die richtig ordentlich sind“

Michael Wagener leitet ein Wohnheim des IB für wohnungslose Männer in Köln. Zum Weltmännertag erzählt er vom Unterschied zu weiblichen Wohnungslosen, welches Geschlecht eher zu welcher Sucht neigt und was sich seit der Pandemie verändert hat.

Kreativ-Aktion im Kölner Männerwohnheim des Internationalen Bundes (IB)
Für die Bewohner der IB-Einrichtung für wohnungslose Männer in Köln gibt es die Möglichkeit, sich kreativ auszuleben. Foto: IB

Herr Wagener, Ihre Einrichtung in Köln bietet 38 Wohnplätze für wohnungslose junge Männer. Ist die Aufteilung der Einrichtungen nach Geschlecht bewusst oder sind Frauen einfach seltener wohnungslos?

Zunächst: Es gibt auch ein Frauenwohnheim, ein Paarwohnheim und ein Wohnheim für wohnungslose Männer. Die Männer, die bei uns wohnen, haben neben der Wohnungslosigkeit noch besondere, sozialen Schwierigkeiten, wie Suchtmittelabhängigkeit, psychische Auffälligkeiten, haben Gefängnisaufenthalte hinter sich und ähnliches. Aber es sind grundsätzlich tatsächlich mehr Männer als Frauen wohnungslos. Dies spiegelt sich auch in der jährlichen Erfassung der statistischen Zahlen durch die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe wieder.  

Unterscheiden sich Männer und Frauen klassischerweise beim Thema Sucht?

Von den eingenommenen Mitteln her tendenziell ja. Süchtige Frauen nehmen normalerweise eher psychoaktive Medikamente, Männer trinken eher Alkohol oder konsumieren illegale Drogen. Seit rund zehn Jahren geht der Trend bei unseren Bewohnern aber Richtung Amphetamine und Cannabis.  

Wie sieht das alltägliche Programm der Bewohner aus? Welche pädagogischen Angebote machen Sie als Mitarbeitende der Einrichtung den Männern?

Es gibt tagesstrukturierende Maßnahmen, zum Beispiel Putzen und Kochen, darüber hinaus haben wir auf unserem Gelände ein Arbeitsprojekt für Gartenarbeit. Außerdem bieten wir die Möglichkeit, an Malerarbeiten teilzunehmen. Die Männer können sich aber auch bei Street-Art-Projekten kreativ ausleben.

Ebenfalls bietet die Einrichtung einen Fitnessraum und eine große Cafeteria mit Tischfußball, und TV, diversen Spielen und Kreativangeboten. Da können unsere Männer Fußball schauen. Wir haben eine Kooperation mit der Stiftung des 1. FC Köln. Dadurch können wir manchmal gemeinsam zu Fußballspielen fahren und bekommen Trikots geschenkt. Die sind immer sehr begehrt!

Die Nachfrage nach Gemeinschaftsaktivitäten ist aber seit Corona überschaubar. Da sind die Leute viel alleine gewesen und haben sich mit sozialen Medien beschäftigt. Das gilt auch für unsere Bewohner. Wir merken das auch in der Gemeinschaftsküche. Die Zahl derjenigen, die ihre Mahlzeit abholen und auf dem Zimmer essen, ist seit der Pandemie stark gestiegen und danach nicht mehr deutlich zurückgegangen.

Eine Ihrer Aufgaben besteht also darin, tagesstrukturierende Maßnahmen mit den Bewohnern durchzuführen. Dem Klischee nach tun sich Männer da schwerer als Frauen. Stimmt das?  

Das kann ich nicht wirklich beantworten. Allerdings kann ich sagen, dass es entgegen dem Klischee viele wohnungslose Männer gibt, die richtig fleißig und ordentlich sind.

Was ist Ihnen bei Ihrer Arbeit mit den Männern besonders wichtig?

Wir sind eine Resozialisierungseinrichtung, in der Menschen mit großen Schwierigkeiten leben. Die Arbeit mit ihnen ist sehr herausfordernd. Wir versuchen, eine wertschätzende, freundliche und kreative Atmosphäre zu schaffen und auf dieser Basis die klassischen Rehabilitationsziele zu fördern: unter anderem soziale Reintegration, berufliche und familiäre Wiedereingliederung, Förderung von Eigenverantwortung, Verhindern neuer Straftaten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Matthias Schwerdtfeger