Eine Million Erwachsene in Deutschland sind wohnungslos, verfügen also nicht über eigenen Raum zum Leben. In vielen Großstädten haben auch Durchschnittsverdiener*innen Probleme, bezahlbare Wohnungen zu finden. München ist bundesweit die Stadt mit den höchsten Quadratmeterpreisen. Entsprechend groß sind hier die Probleme mit Wohnungslosigkeit. Der Verein Netzwerk Wohnungslosenhilfe, dem der Internationale Bund (IB) angehört, will das ändern. Thomas König ist Regionalleiter des IB in Südbayern und einer der Vorstände des Vereins, der an einem langfristig angelegten Projektplan arbeitet, um die Wohnungslosigkeit in München zu verringern. Zum Tag der Wohnungslosen erzählt er im Interview, wie die Hilfe konkret funktioniert, was Vermieter tun könn(t)en und wofür die Initiative 100 Millionen Euro möchte.
Herr König, warum ist es in München für Menschen ohne hohes Einkommen noch einmal schwerer als in anderen deutschen Großstädten, bezahlbaren Wohnraum zu finden?
München ist sehr hochpreisig. Der enorme Zuzug der vergangenen Jahre hält an. Außerdem ist bereits sehr viel Geld nach München geflossen, aufgrund der Attraktivität der Gebäude. Mittlere und untere Gehaltsgruppen haben es schwer, hier etwas Passendes zu finden. Dabei ist es für München sehr wichtig, dass auch diese Menschen Wohnraum finden. Mit der MietMachen München gGmbH wollen wir dabei helfen.
Was ist die MietMachen München gGmbH?
Wir sind eine gemeinnützige Gesellschaft.
Unser Ziel lautet, wohnungslosen Menschen Wohnraum zu günstigen Preisen zur Verfügung zu stellen. Dafür knüpfen wir enge Kontakte zu vielen Akteuren: Immobilienkonzernen, Vermietern, der Stadt München und anderen Bestandshaltern.
Im Normalfall läuft es so: Eine Organisation oder ein privater Vermieter stellt MietMachen Wohnraum zur Verfügung. Wir fungieren dann als eine Art Vermittler und bieten den Vermietern Sicherheit und Kompetenz. Wir haben Kontakt zu den Sozialträgern, die uns potenzielle Mieter*innen nennen. Die Initiative bringt beide Seiten zusammen. Die finale Entscheidung, wer einziehen darf, liegt beim Vermieter.
Welchen Beitrag leistet der IB dazu?
Wir sind Gesellschafter der MietMachen München gGmbH und im Vorstand des dahinterstehenden Vereins Netzwerk Wohnungslosenhilfe. Auf diese Weise arbeiten wir intensiv daran mit, Wohnungslosigkeit in unserer Stadt zu reduzieren. Dabei fließen das Wissen und die Kontakte des IB aus fast 40 Jahren Wohnungslosenhilfe mit ein.
Das Netzwerk Wohnungslosenhilfe möchte auch einen Immobilienfonds anstoßen.
Richtig. Unser Ziel ist, mit einem Finanzdienstleister einen sozialen Immobilienfonds mit einem Volumen von 100 Millionen Euro aufzulegen. Dafür suchen wir große Ankerinvestoren. Mit der Stadtsparkasse München, der Versicherungskammer Bayern und weiteren Organisationen sind wir dazu in Gesprächen. Wir wollen den sozialen Wohnungsbau in München voranbringen, indem wir ihn zur Geldanlage machen.
Was sollten Vermieter*innen und Staat anders machen, damit Initiativen wie Ihre gar nicht erst nötig werden?
Wohnraumförderung und -finanzierung sind komplex. Man müsste Programme so aufsetzen, dass tatsächlich sozialer Wohnungsbau entsteht. Eine Individualförderung, zum Beispiel in Form von Wohngeld, finden die meisten Menschen zwar gut, die institutionelle Wohnraumförderung kommt aber zu kurz und der soziale Wohnungsbau leidet darunter. Das merkt man heute – nicht nur in München. Wir müssen da alle miteinander neu denken. Wenn wir mit großen Baufirmen sprechen, hören wir oft, sie hätten viele Projekte in der Schublade, aber die Grundstücks- und die Baukosten seien momentan zu hoch.
Die Vermieter*innen wiederum würden uns helfen, wenn sie Wohnungen zur Verfügung stellen, die unter dem Mietpreisdeckel liegen. Das können auch ältere Objekte sein, für deren nötige Renovierung momentan kein Geld da ist. „Münchner Wohnen“, die kommunale Gesellschaft der Stadt, tut das zum Beispiel. Wir bringen darin Menschen unter, die zuvor wohnungslos waren. Interessierte Vermieter*innen können sich gern bei uns melden!
Vielen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte Matthias Schwerdtfeger.