"Auch Männer können Chancengleichheit einfordern"

HdWM-Präsidentin Perizat Daglioglu spricht zum Tag der Frauen in der Wissenschaft über den Sinn solcher Aktionstage


Prof. Perizat Daglioglu

Prof. Perizat Daglioglu, Präsidentin der Hochschule der Wirtschaft für Management (HdWM) in Mannheim, deren Mehrheitseigner der Internationale Bund (IB) ist. Foto: HdWM

Prof. Perizat Daglioglu ist Präsidentin der Hochschule der Wirtschaft für Management (HdWM) in Mannheim, deren Mehrheitseigner der Internationale Bund (IB) ist. Zum von den UN ausgerufenen Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft am 11. Februar erklärt sie im Interview, welchen Sinn derartige Aktionstage aus ihrer Sicht haben, was Deutschland tun muss, um mehr wissenschaftliche Karrieren von Frauen zu ermöglichen und was die HdWM dafür unternimmt.

Wie beurteilen Sie die Sinnhaftigkeit und die Erfolgsaussichten einer Initiative wie dem „Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft“ am 11. Februar 2024?

Ich halte solche Initiativen wie diese der UN seit 2015 für gut und wichtig. Die Statistiken belegen ja, dass international und – im Vergleich – besonders auch in Deutschland da noch enormer Handlungs- und Verbesserungsbedarf besteht. Und jede Initiative zählt. Alles was dazu beiträgt, die Missstände aufzuzeigen und ein Bewusstsein für die Notwendigkeit zu schaffen, dies zu ändern, ist von Vorteil. Potenziale liegen brach – und das kann nicht im Sinne unserer Gesellschaft sein.

Jede erfolgreiche – und als erfolgreich wahrgenommene – Frau in der Wissenschaft oder auch in anderen Bereichen hat eine Wirkung, eine Vorbildfunktion. Mädchen und junge Frauen eifern solchen Vorbildern auf ihrem ganz eigenen Weg in Wissenschaft und Gesellschaft nach und tragen so dazu bei, Veränderungen anzustoßen.

Die Tatsache, dass diese wertvolle Initiative jedes Jahr an diesem Termin stattfindet, freut mich umso mehr: Ich habe am 11. Februar Geburtstag.

Hat sich bei Ihnen an der Hochschule der Wirtschaft für Management der Anteil von Studentinnen in den vergangenen Jahren verändert. Wenn ja: Wie und woran liegt das Ihrer Meinung nach?

An der HdWM ist der Anteil von Studentinnen an der Gesamt-Studierendenzahl schon beinahe „traditionell“ relativ hoch – und das ist kontinuierlich so über die vergangenen Jahre. Das mag an der Fächerstruktur der Hochschule liegen, der angebotenen Praxisnähe und dem Portfolio an Partnerunternehmen, die gemeinsam mit der HdWM am Markt auftreten. Aber auch die Möglichkeit, als relativ kleine Hochschule eine intensive individuelle Betreuung anbieten zu können, trägt mit Sicherheit dazu bei. Ein Angebot, von dem natürlich alle Studierenden – unabhängig vom Geschlecht – profitieren.

Auch gelingt es uns – glaube ich – in der Kommunikation mit den potenziellen Studentinnen und Studenten klar zu machen, dass für uns an der HdWM Chancengleichheit in allen Schattierungen enorm wichtig ist. Dabei bespielen wir in den Sozialen Medien ganz unterschiedliche Kanäle, um eben auch Mädchen und junge Frauen dafür begeistern zu können, diese Chancen zu ergreifen und mit einem Studium den eigenen individuellen Erfolgsweg beschreiten zu können.

Was müsste Deutschland tun, um mehr Mädchen und Frauen die Möglichkeit zum Studium und zur wissenschaftlichen Arbeit zu ermöglichen?

Die Förderung von Mädchen und Frauen in der Wissenschaft kann und muss auf ganz unterschiedlichen Ebenen in der Gesellschaft erfolgen. Natürlich ist auch die Politik gefordert, sich dieses Themas anzunehmen und durch Initiativen und Förderungen die Chancengleichheit auf diesem Gebiet voranzubringen. Das Schaffen entsprechender gesetzlicher Rahmenbedingungen ist daher essenziell. Angesichts des demografischen Wandels und des herrschenden Fachkräftemangels ist es für eine Industrienation wie Deutschland unerlässlich, das ganze Potenzial des akademischen Nachwuchses zu nutzen – das männliche und das weibliche.

Auch auf institutioneller Ebene muss die Förderung von Mädchen und Frauen eine Rolle spielen. Verbände, Organisationen und Initiativen der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft müssen erkennen – und tun dies auch, dass eine stärkere Integration von weiblichen Herangehens- und Sichtweisen das Potenzial erhöht, Antworten auf die Fragen der Zukunft generieren zu können

Letztlich kann und muss auch jede*r einzelne einen Beitrag leisten. Das Überwinden von tradierten Denkmustern und Verhaltensweisen bringt die Gesellschaft als Ganzes sicherlich Stück für Stück nach vorne. Auch Männer können Chancengleichheit für ihre weiblichen „Wettbewerber“ einfordern anstatt sich auf vermeintliche Vorteile aufgrund von überkommenen Konventionen zu verlassen.

Welche Möglichkeiten bietet die HdWM für die Vereinbarkeit von Familie und Studium? Dies gilt ja vermutlich eher für Frauen, die nach wie vor den Hauptteil der Care-Arbeit leisten.

Die HdWM nutzt die Möglichkeiten, die sich auch aufgrund ihrer Größe bieten, flexibel auf die Anforderungen sowohl ihrer Studierenden als auch der Mitarbeitenden der HdWM als Arbeitgeberin im Bildungssektor einzugehen. Die Vereinbarkeit von Familie und Studium sowie Beruf – oder allgemeiner gesprochen – die Vereinbarkeit von individueller Lebensplanung und Studium sowie Beruf stellt dabei ein hohes Gut für die Hochschulleitung dar. Wir setzen alles daran, unseren Teil dazu beizutragen.

Diese Angebote richten sich selbstverständlich an Mädchen und junge Frauen auf ihrem Weg in die und innerhalb der Wissenschaft. Vielleicht macht es ja aber auch Sinn, die Thematik „andersherum“ zu denken. Vielleicht lässt sich eine solche gewünschte Vereinbarkeit von individueller Lebensplanung und Studium sowie Beruf in der Wissenschaft auch dadurch fördern, dass den männlichen Partnern unserer Zielgruppe flexible Angebote gemacht werden, damit sie ihren Beitrag zu dem gemeinsamen Ziel leisten können und wollen: dass mehr Mädchen und Frauen erfolgreich in der Wissenschafts-Community agieren können.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Matthias Schwerdtfeger


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