Der Internationale Bund (IB) kritisiert die Entscheidung des Bundesministeriums für Bildung, Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ), das Bundesprogramm „Respekt Coaches“ ab 2027 nicht weiter zu finanzieren. Das Programm, das seit 2018 bundesweit Demokratiebildung und Extremismusprävention an Schulen stärkt, steht damit vor dem Aus. Aus Sicht des IB ist diese Entscheidung fachlich und politisch nicht nachvollziehbar.
Die „Respekt Coaches“ haben seit 2018 bundesweit mehr als 600.000 Schüler*innen an rund 900 Schulen erreicht. Durch bedarfsorientierte Angebote vermittelt das Programm demokratische Werte, stärkt soziale und Medienkompetenzen und arbeitet präventiv gegen Rassismus, Antisemitismus und jede Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Ein zentrales Merkmal ist die Stärkung der Schulen als Orte der Demokratiebildung.
Gleichzeitig belegen aktuelle Studien, dass rassistische Einstellungen und Diskriminierung in Deutschland weiterhin weit verbreitet sind. Der Nationale Diskriminierungs- und Rassismusmonitor (NaDiRa) zeigt in seinem Monitoringbericht 2026, dass sich abwertende Haltungen gegenüber Menschen unterschiedlicher Herkunft verfestigt haben und dass das Vertrauen Betroffener in staatliche Institutionen fragil ist. Vor diesem Hintergrund sendet die Einstellung des Programms aus Sicht des IB ein problematisches Signal.
„Prävention darf nicht dem Rotstift zum Opfer fallen“
Die Entscheidung, ein erfolgreiches Programm wie die ‚Respekt Coaches‘ einzustellen, ist ein fatales Signal für unsere Demokratie. Gerade jetzt brauchen junge Menschen verlässliche Angebote zur Auseinandersetzung mit Diskriminierung und Extremismus. Prävention darf nicht dem Rotstift zum Opfer fallen!
Thiemo Fojkar, Vorstandsvorsitzender des IB
Mit dem Wegfall des Programms entsteht an vielen Schulen eine Lücke: Strukturen, die über Jahre aufgebaut wurden, können nicht einfach aufgefangen werden, und zentrale Partner*innen für Demokratiebildung und Prävention fallen weg.
Der IB fordert klare Perspektiven:
- eine Überprüfung der Entscheidung zur Einstellung des Programms
- die Entwicklung tragfähiger Anschlusslösungen für Schulen und die Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe
- ein klares politisches Bekenntnis zur Stärkung von Demokratiebildung an Schulen und zur Bekämpfung von Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus