Armut in einem Industrieland wie Deutschland ist ein Armutszeugnis für die Politik

IB zum Tag für die Beseitigung der Armut / Coronapandemie trifft die Ärmsten besonders hart


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Seit 1992 macht der Internationale Tag für die Beseitigung der Armut jedes Jahr am 17. Oktober darauf aufmerksam, wie wichtig die Bekämpfung von Armut ist. Laut dem 2021 veröffentlichten UN-Bericht über die Ziele für nachhaltige Entwicklung leiden weltweit bis zu 811 Millionen Menschen unter Hunger und extremer Armut. Das Einkommen dieser Menschen liegt unter dem Existenzminimum, es mangelt ihnen an Essen, Wohnung, Kleidung, Bildung. Seit Mitte der 2010er-Jahre steigt die Zahl der Betroffenen nach Angaben der Vereinten Nationen kontinuierlich an, aufgrund der Coronapandemie verschärft sich die Situation weiter: 2020 stieg die Armutsquote von 8,4 Prozent im Jahr 2019 auf 9,5 Prozent. Somit ist fast jeder zehnte Mensch auf der Welt von extremer Armut betroffen.

Auch in Deutschland leben immer mehr Erwachsene in relativer Armut, das bedeutet, sie haben weniger als etwa 1000 Euro monatlich zur Verfügung. Lag die Quote für Betroffene unterhalb dieser Armutsrisikoschwelle Ende der 1990-er Jahre noch bei 11 Prozent, waren es 2018 bereits 15,8. Die Armut der Eltern wirkt sich auch auf die Kinder aus: Der UNICEF-Bericht von 2021 weist für 2019 in Deutschland 1,48 Millionen Kinder in Armut aus. „Die bisherige Regelung staatlicher Hilfe für Kinder in Armut erreicht nicht den gewünschten Effekt“, beklagt der Vorstandsvorsitzende des IB Thiemo Fojkar. „Die Kindergrundsicherung könnte die Situation aus unserer Sicht deutlich verbessern. Daher appellieren wir an die neue Bundesregierung, sie einzuführen.“ Maßnahmen zur Verbesserung sind dringend notwendig, da die Coronapandemie zu Einkommenseinbußen vor allem bei den finanziell benachteiligten Gruppen wie Selbständige, Geringqualifizierte und Alleinerziehende geführt hat. Es ist zu befürchten, dass sich die Situation gerade für Kinder und Jugendliche weiter verschlechtern wird und sie aufgrund der mit Armut einhergehenden Probleme wie geringe Bildungschancen und gesellschaftliche Ausgrenzung ihr Leben lang benachteiligt bleiben. „Es ist eine politische Pflicht, diesem Missstand durch gezielte Maßnahmen nachhaltig entgegen zu wirken“, fordert Thiemo Fojkar zum heutigen Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut.

Als Gastmitglied der Nationalen Armutskonferenz (NAK), einem Bündnis der Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege, des Deutschen Gewerkschaftsbundes, der Tafeln in Deutschland und der beiden großen christlichen Kirchen, setzt sich der IB seit 2018 für eine aktive Politik der Armutsbekämpfung ein. Dazu gehören vor allem strukturelle Maßnahmen mit dem Ziel der Verminderung und Verhinderung von Armut, die Schaffung von Bildungszugängen für alle Kinder und Jugendliche unabhängig von ihrer sozialen und kulturellen Herkunft sowie eine Existenz sichernde Erwerbsarbeit. „Armut darf es im wohlhabenden Deutschland nicht geben, dafür kämpft der IB auch in Zukunft“, erklärt Thiemo Fojkar.


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