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„Manchmal geht es eben nicht darum, dass ich andere zum Lachen bringe”

Wie IB-Clownin Naduli die Welt für Menschen in schwierigen Situationen ein bisschen bunter macht

Nicole Hornberger als Clownin mit Clownsschminke lächelt aus einem Fenster, während Seifenblasen durch die Luft schweben.
Als ausgebildete Klinik-Clownin beim Internationalen Bund (IB) bringt Nicole Hornberger Humor und poetische Momente zu Menschen in sozialen, pädagogischen und therapeutischen Einrichtungen. Foto: Merle Hornberger

Rote Nase, große Schuhe, tollpatschiger und überdrehter Humor: Das ist typisch Clown. Nicole Hornberger, besser bekannt als „Naduli“, zeigt, dass weit mehr dahintersteckt. Als ausgebildete Klinik-Clownin beim Internationalen Bund (IB) im Rhein-Hunsrück-Kreis zeigt sie, wie tiefgründig diese Arbeit sein kann. Im Interview erzählt sie von berührenden Begegnungen und davon, warum gerade das Privileg, unperfekt sein zu dürfen, ihr hilft, in schweren Momenten Zugang zu Menschen zu finden.

Frau Hornberger, wie sind Sie Clownin geworden?

Ich arbeite beim IB als sozialpädagogische Familienhelferin. Ein wichtiger Teil dieser Arbeit ist es, Menschen in schwierigen Situationen zur Seite zu stehen. Ich erlebe oft, wie überfordernd manche Situationen für sie sind und wie Humor über vieles hinweghelfen kann. Da war mir klar: Ich will Clownin werden.

Dafür habe ich eine zweijährige Ausbildung zur TuttoClownin im ClownWerk Bad Kreuznach absolviert. Ein wichtiger Teil davon war, die eigene Clownfigur zu entwickeln und kennenzulernen. Privat bin ich eher extrovertiert und burschikos. Naduli ist anders: Sie ist sehr weiblich, zunächst leise und zurückhaltend. Ein Teil der Ausbildung waren auch klassische Elemente wie Jonglage, Zauberei oder das Spiel mit Handpuppen. Seit 2024 biete ich die Clownvisite an und ich bin als Naduli im Einsatz und flexibel buchbar.

Was passiert bei einer Clownvisite und wen besuchen Sie?

Das Angebot richtet sich an soziale, pädagogische und therapeutische Einrichtungen wie Kitas, Schulen, Kliniken, Altenheime oder auch Hospize. Die Clownvisite richtet sich an Menschen jeden Alters.

Vieles entsteht erst im Moment. Als Naduli arbeite ich mit Improvisation und Wahrnehmung. Ich schaue: Wie geht es den Menschen gerade? Was brauchen sie in diesem Augenblick? Danach richtet sich die Begegnung.

Was macht diese Begegnungen besonders?

In meinem Clownsein habe ich ein anderes Handwerkszeug, um Menschen zu begegnen: Ich darf unperfekt sein – und genau das ist oft ein Schlüssel. Viele Menschen fühlen sich davon abgeholt.

Ich gehe zum Beispiel zu Patienten*Patientinnen ans Krankenbett, aber nur, wenn sie das möchten. Dabei geht es nicht um reine Unterhaltung. Oft entstehen sehr poetische, stille Momente. 

Als Naduli arbeite ich viel mit Musik, spiele Drehorgel oder Mundharmonika. Teil meiner Auftritte ist auch die Handpuppe „Max Maulich“, mit der ich in Dialog trete. Über solche kleinen Spielsituationen entsteht schnell Kontakt – ein Lachen oder einfach ein gemeinsamer Moment.

Nicole Hornberger als Clownin „Naduli“ mit Clownsschminke lächelt und spricht mit ihrer Handpuppe Max Maulich.
Nicole Hornberger als Clownin „Naduli“ mit ihrer Handpuppe „Max Maulich". Foto: Merle Hornberger

Ist Ihnen eine Begegnung besonders im Gedächtnis geblieben?

Ja. Einmal war ich in einer Klinik bei einer Frau, die gerade erfahren hatte, dass ihr Sohn im Sterben liegt. In diesem Moment ging es natürlich nicht ums Lachen. Wir haben gemeinsam geweint und uns unterhalten. Während sie mir ihre Geschichte erzählt hat, haben wir gemeinsam Papierblumen gebastelt – auch eine für ihren Sohn. 

Das war ein sehr stiller, berührender Moment, der auch mir sehr nahe ging. Manchmal geht es als Naduli eben nicht darum, dass ich andere zum Lachen bringe, sondern ihnen in einem schweren Augenblick ein wenig Leichtigkeit schenke.

Woran arbeiten Sie aktuell?

Ich plane ein Jodel-Projekt für Schulkinder. Die Idee ist entstanden, weil ich gemerkt habe, dass Jodeln eine besondere Verbindung schaffen kann. Gerade Kinder mit Migrationsbiografie reagieren darauf sehr positiv, weil das Jodeln Sprachbarrieren überwindet. Es geht weniger um Worte als um Laute und Rhythmus – so entsteht schnell ein gemeinsamer Moment.

Vielen Dank für das Gespräch! 

Das Interview führte Stefanie Vasa


Mehr über die Clownvisite des IB erfahren

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