Mit dem Sprecher*innensystem gibt der Internationale Bund (IB) seinen Freiwilligen die Möglichkeit, ihre Interessen zu vertreten und die Freiwilligendienste aktiv mitzugestalten. Einer von ihnen ist Malte Gülzow. Er absolviert sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) am Universitätsklinikum Heidelberg und engagiert sich – neben seiner Arbeit auf einer Neurointensivstation – im Sprecher*innensystem. Im Interview erzählt er, warum er sich einbringt, was seine Arbeitsgruppe erreicht hat und weshalb Mitbestimmung manchmal Geduld braucht.
Malte, bevor wir über dein Engagement sprechen: Was ist das Sprecher*innensystem eigentlich?
Es gibt uns Freiwilligen die Möglichkeit, unsere Interessen zu vertreten und eigene Themen einzubringen. An den Standorten werden Sprecher*innen gewählt, die sich anschließend mit anderen Freiwilligen aus ganz Deutschland vernetzen. Je nach Interesse bilden wir Arbeitsgruppen zu Themen, die uns wichtig sind. Bei uns waren das zum Beispiel die Rechte von Freiwilligen, Öffentlichkeitsarbeit oder politische Themen. In der Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit ging es beispielsweise darum, das FSJ sichtbarer zu machen und mit Vorurteilen gegenüber Freiwilligendiensten aufzuräumen.
Für welches Thema hast du dich besonders eingesetzt?
Ich habe mich in der Arbeitsgruppe „Rechte für Freiwillige“ engagiert. Mir war wichtig, dass Freiwillige gut über ihre Rechte und Pflichten informiert sind: Was dürfen wir eigentlich machen und was nicht? Wo sind unsere Grenzen?
Deshalb haben wir eine Awareness-Schulung zu den Rechten von Freiwilligen entwickelt. Sie richtet sich nicht nur an Freiwillige, sondern auch an die Menschen in den Einsatzstellen. Denn auch sie sollten wissen, wie Freiwillige eingesetzt werden können und welche Aufgaben sie übernehmen dürfen.
Uns ging es darum, den Einsatzstellen etwas an die Hand zu geben – eine fertige Präsentation mit Skript, die sie direkt nutzen können. Ich durfte unser Projekt auch bei einer Tagung vorstellen und dort für die Schulung werben. Inzwischen habe ich die Rückmeldung bekommen, dass das Thema gut angekommen ist und sich auch innerhalb des IB weitere Arbeitsgruppen damit beschäftigen. Das ist natürlich schön, weil man merkt: Da ist tatsächlich etwas ins Rollen gekommen.
Was hat dich motiviert, dich im Sprecher*innensystem zu engagieren?
Meine Motivation war, mich einzubringen und Dinge zu verändern, bei denen ich das Gefühl hatte, dass sie besser laufen könnten. Im Sprecher*innensystem habe ich die Möglichkeit gesehen, mich über meinen Freiwilligendienst hinaus zu engagieren. Ich hatte einfach Lust darauf, nicht nur zu sagen: „Da läuft etwas nicht optimal“, sondern selbst mit anzupacken und zu schauen, wie wir etwas verändern können.
Warum ist es aus deiner Sicht wichtig, dass Freiwillige mitbestimmen können?
Im Freiwilligendienst geht es schließlich um die Menschen, die sich engagieren. Deshalb finde ich es wichtig, dass wir auch mitreden können, wenn es darum geht, unter welchen Bedingungen der Dienst stattfindet und was verbessert werden kann. Das Sprecher*innensystem gibt uns die Möglichkeit, unsere Erfahrungen einzubringen und gemeinsam Themen anzustoßen.
Was hast du persönlich aus deinem Engagement mitgenommen? Hat sich dein Blick auf Mitbestimmung verändert?
Auf jeden Fall. Ich habe viel darüber gelernt, wie Entscheidungen überhaupt zustande kommen und welche Prozesse im Hintergrund ablaufen. Gleichzeitig habe ich gemerkt, wo die Grenzen von Mitbestimmung liegen.
Wir haben im Sprecher*innensystem nur eine begrenzte Zeit, um unsere Ideen umzusetzen. Und manche Dinge dauern einfach: Unsere Schulung musste zum Beispiel erst geprüft und freigegeben werden. Da merkt man schnell, dass Veränderungen nicht von heute auf morgen passieren.
Trotzdem hat mir die Arbeit sehr viel Spaß gemacht. Und wir haben etwas angestoßen, auf das andere weiter aufbauen können. Es gibt eine Online-Sammlung, in der die verschiedenen Jahrgänge ihre Ergebnisse festhalten können. So geht das, was wir erarbeitet haben, nicht einfach verloren.
Warum würdest du anderen FSJler*innen empfehlen, sich ebenfalls im Sprecher*innensystem zu engagieren?
Tatsächlich würde ich sagen, dass das nichts für jede*n ist. Es gibt viele Freiwillige, die mit ihrem FSJ zufrieden sind und sich darüber hinaus gar nicht engagieren möchten: Das ist völlig in Ordnung.
Aber für alle, die Probleme sehen und Lust haben, etwas anzupacken, ist das Sprecher*innensystem eine Chance. Man trifft andere, die ebenfalls etwas bewegen wollen, kann gemeinsam Ideen entwickeln und bekommt Unterstützung dabei. Man lernt auch, genauer hinzuschauen: Wo liegt eigentlich das Problem? Was kann ich selbst verändern und an welcher Stelle muss ich andere mit ins Boot holen?
Für mich war genau das spannend: nicht nur mitzureden, sondern die Möglichkeit zu bekommen, selbst aktiv zu werden.
Vielen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte Stefanie Vasa.
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