Bis 2028 werden der deutschen Wirtschaft rund 768.000 Fachkräfte fehlen, der Handlungsdruck ist hoch. Damit Fachkräftesicherung gelingt, reicht Zuwanderung alleine nicht aus. Der Internationale Migrationsausblick 2025 der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigt: Entscheidend ist vor allem die Integration, insbesondere in den Unternehmen. Der Internationale Bund (IB) sieht großes Potenzial, Betriebe stärker in die Integrationsarbeit einzubinden und Zugewanderte langfristig im Arbeitsmarkt zu halten.
Ein zentrales Ergebnis der OECD-Studie: Zugewanderte verdienen beim Berufseinstieg in Deutschland etwa 43 Prozent weniger als gleichaltrige und gleichgeschlechtliche Einheimische.
Geringere Aufstiegschancen trotz Qualifikationen
Diese Lohnlücke entsteht weniger durch fehlende Qualifikationen als durch strukturelle Faktoren. Viele Migranten*Migrantinnen sind langfristig in Branchen und Unternehmen mit niedrigerer Bezahlung beschäftigt und haben trotz vorhandener Fachkenntnisse nur eingeschränkte Aufstiegsmöglichkeiten.
Damit kommt Arbeitgebern eine Schlüsselrolle zu. Sie sind nicht nur an der Gewinnung internationaler Fachkräfte beteiligt, sondern beeinflussen maßgeblich Qualifizierung, berufliche Entwicklung und langfristige Bleibeperspektiven von Zugewanderten. Die OECD-Studie zeigt, dass Integrationsprozesse bislang häufig auf einzelne Zielgruppen fokussiert sind und dass das Potenzial der Betriebe insgesamt stärker genutzt werden kann.
So können Unternehmen die berufliche Mobilität etwa durch interne Weiterbildung und Qualifizierung fördern, wodurch der Wechsel in besser bezahlte oder passendere Positionen erleichtert wird. Auf diese Weise nutzen Mitarbeitende ihre Fähigkeiten besser. Zudem sollten Diskriminierung bekämpft und die soziale Teilhabe am Arbeitsplatz gestärkt werden.
Der IB begleitet Betriebe dabei, diese Rolle wahrzunehmen – mit Sprachförderung, Anerkennungsberatung und berufsbegleitenden Qualifizierungen.
Migration alleine reicht nicht. Integrationssprachkurse dramatisch zu kürzen oder sogar zu streichen ist ein absolut falsches Signal. Wer Fachkräfte gewinnen und halten will, muss Zugewanderte gezielt unterstützen. Nur im Zusammenspiel von Politik, Wirtschaft und sozialen Bildungsträgern lassen sich Fachkräftepotenziale nachhaltig sichern. Hier nehme ich auch die Unternehmen selber in die Verantwortung.
Thiemo Fojkar, Vorstandsvorsitzender des IB