„In der beruflichen Weiterbildung ist es nicht mehr fünf vor zwölf, sondern Schlag zwölf.“ So bringt es Dr. C. Martin G. Noack, Autor der aktuellen Bertelsmann-Studie „Was Beschäftigte von Weiterbildung abhält“, auf den Punkt. Nur etwa die Hälfte der Beschäftigten plant in den nächsten zwölf Monaten eine Weiterbildung. Aus Sicht des Internationalen Bundes (IB) ist das ein alarmierendes Signal für den Wirtschaftsstandort Deutschland: Lebenslanges Lernen und Bildung sind angesichts des Fachkräftemangels und des digitalen Wandels entscheidend.
Was sind die Gründe dafür, dass nur die Hälfte der Beschäftigten eine Weiterbildung plant? Die Studie zeigt, dass es nicht am Angebot liegt, sondern an fehlender Orientierung, Zeitmangel, fehlender Freistellung und unklarer Anerkennung von Lernergebnissen. Diese Barrieren erschweren vielen Beschäftigten den Zugang zu Weiterbildung.
Zentraler Schlüssel, um dem Fachkräftemangel zu begegnen
Sechs von zehn Beschäftigten beklagen eine fehlende Weiterbildungskultur im Unternehmen. Zudem wird die Weiterbildungslandschaft als fragmentiert und intransparent wahrgenommen. Besonders betroffen sind Menschen ohne Berufsabschluss und ältere Beschäftigte – sie bilden die Gruppen mit der geringsten Weiterbildungsbeteiligung.
Was es braucht, sind klare, niedrigschwellige Angebote und einheitliche Anreiz- und Informationsstrukturen, die alle Beschäftigten erreichen. Besonders hervorgehoben werden modulare Formate wie Teilqualifikationen, die flexible Weiterbildung erlauben.
Der IB setzt mit praxisnahen Bildungsangeboten genau hier an. Der freie Träger der Bildungsarbeit bietet bundesweit Weiterbildungsangebote an, die gezielt auf die Bedürfnisse von Beschäftigten und Unternehmen abgestimmt sind. Instrumente wie das Qualifizierungschancengesetz, das Qualifizierungsgeld oder Teilqualifikationen wie MyTQ schaffen wichtige Möglichkeiten, Fachkräfte weiterzuentwickeln.
Handlungsempfehlungen der Studie
Die Bertelsmann Stiftung empfiehlt:
- Motivation gezielt stärken, z. B. durch Anerkennung informeller Kompetenzen und Lernbegleitung
- Beratungs- und Informationsangebote vernetzen und lokal bündeln
- strukturelle Hemmnisse abbauen, z. B. durch Bildungs(teil)zeit und einen einheitlichen Bundesberufsbildungscheck
- Unternehmenskulturen weiterbildungsfreundlich gestalten und Altersstereotype abbauen
Aus Sicht des IB macht die Studie eines deutlich: In der beruflichen Weiterbildung besteht dringender Handlungsbedarf. Zu viele Beschäftigte scheitern noch immer an strukturellen Hürden – obwohl berufliche Weiterbildung entscheidend für die Zukunftsfähigkeit von Beschäftigten und Unternehmen ist und ein zentraler Schlüssel, um individuelle Chancen zu verbessern und dem Fachkräftemangel zu begegnen.
Thiemo Fojkar, Vorstandsvorsitzender des IB