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Streetwork findet nicht nur auf der Straße statt

Blick hinter die Kulissen: wie zwei Mitarbeiterinnen des IB Jugendliche in Hamburg unterstützen

Junge Menschen lehnen an einer Mauer.
Freizeitangebote, Unterstützung im Alltag und ein offenes Ohr: Die Streetwork des IB Nord setzt dort an, wo junge Menschen Unterstützung brauchen. Foto: Magnific

Mal ist es der knurrende Magen, mal der Wunsch nach einem Freizeitangebot oder die Sorge, die Wohnung zu verlieren. Mit diesen und vielen weiteren Anliegen wenden sich junge Menschen an Sarah Voß und Pauline Blau. Die beiden sind Streetworkerinnen beim IB Nord und begleiten Jugendliche im Sozialraum Hamburg-Neuallermöhe. Als aufsuchende Sozialarbeiterinnen gehen sie dorthin, wo junge Menschen ihren Alltag verbringen. Hamburg-Neuallermöhe ist einer der jüngsten Stadtteile Hamburgs, in dem viele Familien und junge Menschen leben. Bezahlbarer Wohnraum und fehlende Treffpunkte gehören zu den Herausforderungen im Stadtteil – genau hier setzt die Streetwork des IB Nord an.

„Oft sind es ganz praktische Themen, mit denen die jungen Menschen zu uns kommen“, erzählt Pauline Blau. „Dabei entscheiden sie selbst, worüber sie mit uns sprechen möchten – oder eben nicht. Freiwilligkeit ist das zentrale Grundprinzip der Straßensozialarbeit.“

Häufig geht es zunächst um Grundbedürfnisse: Essen, Duschen oder Wäsche waschen. Zweimal pro Woche wird gemeinsam mit Schüler*innen in der Hamburger Einrichtung des IB gekocht. Beim gemeinsamen Essen entstehen Gespräche, das stärkt das Vertrauen.

Der offene Aufenthaltsraum der Einrichtung mit Kicker und Billardtisch.
Billard, Kicker und Platz für Begegnungen: Der offene Aufenthaltsraum der Einrichtung ist ein wichtiger Treffpunkt für junge Menschen in Hamburg-Neuallermöhe. Foto: IB

Anders als der Name vermuten lässt, sind die beiden Streetworkerinnen nicht nur auf der Straße im Einsatz. Zwar sind Sarah Voß und Pauline Blau regelmäßig im Stadtteil unterwegs und sprechen Jugendliche an ihren Treffpunkten an. Gleichzeitig ist die IB-Einrichtung ein fester Anlaufpunkt. „Wir nutzen unsere Rundgänge auch, um die Jugendlichen auf unser Angebot aufmerksam zu machen“, sagt Sarah Voß. 

Bei unserer Arbeit geht es darum, eine erste Hand zu reichen. Viele junge Menschen haben bereits schlechte Erfahrungen mit Hilfesystemen gemacht. Deshalb ist es wichtig, dass sie selbst entscheiden können, ob und wann sie unsere Unterstützung annehmen. Nur wer selbst entscheidet, Hilfe anzunehmen, lässt auch Unterstützung zu.

Unterstützung zwischen Behördendeutsch und Beziehungsarbeit

Konflikte zu Hause bringen viele Jugendliche in eine schwierige Lage. Wer das Elternhaus verlassen muss, für den ist eine eigene Wohnung in Hamburg finanziell oft utopisch. Die beiden unterstützen junge Menschen deshalb dabei, schwer verständliches Behördendeutsch in Alltagssprache zu übersetzen. Sie füllen gemeinsam Anträge – etwa für einen Wohnberechtigungsschein – aus und begleiten die Jugendlichen auf Wunsch zu Behördenterminen. „Unser Ziel ist, dass niemand auf der Straße schlafen muss“, sagt Sarah Voß.

Neben der direkten Unterstützung bringen Sarah und Pauline die Perspektiven junger Menschen in Netzwerke und Gremien im Stadtteil ein. Dort geht es neben politischen Aspekten darum, den öffentlichen Raum jugendgerechter zu gestalten. Pauline Blau: „Wir erleben jeden Tag, was junge Menschen brauchen. Wir denken an ihre Belange und bringen ihre Stimmen aktiv ein.“

Sarah Voß ist ihr erster Klient besonders gut im Gedächtnis geblieben: „Ich begleite ihn inzwischen seit zwei Jahren. Er freut sich jedes Mal, wenn wir uns sehen. Das zeigt, wie nachhaltig Beziehungen in der Straßensozialarbeit sein können.“

Unter dieser Adresse gibt es Unterstützung für junge Menschen in Hamburg-Neuallermöhe

Die Streetwork-Einrichtung des IB Nord ist montags bis donnerstags von 13 bis 19 Uhr geöffnet. Das Angebot richtet sich an alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 14 und 27 Jahren im Sozialraum Hamburg-Neuallermöhe. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Adresse: Von-Moltke-Bogen 38, 21035 Hamburg

E-Mail-Kontakt zur Einrichtung
 

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