Schulsachen, Sportverein, Kinobesuch – das alles kostet Geld. Für einkommensschwache Familien, die Grundsicherung beziehen, gibt es deshalb seit 2011 das Bildungs- und Teilhabepaket (kurz BuT). Es soll Kindern und Jugendlichen bessere Chancen ermöglichen.
Eine neue Untersuchung der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass die Leistungen bei vielen anspruchsberechtigten Kindern und Jugendlichen nicht ankommen. Besonders betroffen ist der sogenannte Teilhabebetrag von 15 Euro pro Monat, der für Sportvereine, Musikunterricht, Ferienangebote oder andere soziale und kulturelle Aktivitäten gedacht ist. Mehr als 80 Prozent der anspruchsberechtigten Kinder und Jugendlichen erhalten diese Unterstützung nicht. Nur etwa 18 Prozent der 6- bis 14-Jährigen nutzen den Teilhabebetrag, bei den 15- bis 17-Jährigen liegt die Quote sogar nur bei rund 12 Prozent. Ebenfalls nicht vollständig ausgeschöpft wird der Zuschuss für Schulmaterialien (195 Euro jährlich) sowie das kostenlose gemeinschaftliche Mittagessen in Schule oder Kita.
Nichtwissen und hohe bürokratische Hürden als Gründe
Hauptursachen sind laut Stiftung nicht der fehlende Bedarf, sondern Zugangsbarrieren wie komplizierte Antragsverfahren, umfangreiche Nachweispflichten, mangelnde Information über bestehende Ansprüche und die teilweise geringen Summen im Verhältnis zum Aufwand. Die Antrags-, Bewilligungs- und Abrechnungsverfahren unterscheiden sich erheblich je nach Bundesland. Dadurch entstünden ungleiche Teilhabechancen für Kinder und Jugendliche.
Laut Stiftung braucht das Bildungs- und Teilhabepaket einen deutlich einfacheren Zugang. Leistungen sollten möglichst automatisch ausgezahlt, Zuständigkeiten gebündelt und vorhandene Behördendaten digital genutzt werden.
Wenn mehr als acht von zehn anspruchsberechtigten Kindern und Jugendlichen eine Unterstützung nicht erhalten, ist das ein Warnsignal. Teilhabe darf kein Privileg derjenigen sein, die sich im Antragsdschungel zurechtfinden. Wer Chancengerechtigkeit ernst meint, muss dafür sorgen, dass Unterstützung dort ankommt, wo sie gebraucht wird.
Thiemo Fojkar, Vorstandsvorsitzender des IB
Der Internationale Bund weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass neben einem einfacheren Zugang zu Leistungen auch langfristige Investitionen in Bildung notwendig sind, um Kinderarmut wirksam zu bekämpfen. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag zu den Bildungsinvestitionen der Bundesregierung.