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Sorgenkind Schule: Warum es neben Investitionen neue Konzepte und mehr Flexibilität braucht!

Beitrag von Beate Schramm, Schulleiterin beim Internationalen Bund

Portrait von Beate Schramm, Schulleiterin beim Internationalen Bund. Sie lächelt in die Kamera und trägt ein blaues Halstuch.
Beate Schramm ist Schulleiterin beim Internationalen Bund (IB) und berichtet aus der Praxis über die aktuellen Herausforderungen an Schulen. Foto: Carlo Schmid Schule

Beate Schramm leitet die Carlo Schmid Schule des Internationalen Bundes (IB) in Karlsruhe.

Lehrkräftemangel, überfordernde Aufgabenvielfalt, schleppende Digitalisierung: Schulen in Deutschland stehen vor vielen Herausforderungen und fühlen sich damit oft alleingelassen. Schule ist dabei nicht gleich Schule, manche Probleme betreffen vor allem bestimmte Schulformen. Dennoch eint alle die Frage: Warum verändert sich so wenig, obwohl der Handlungsbedarf bekannt ist?

Die Situation in den Schulen verändert sich zunehmend, und neue, übergreifende Probleme rücken in den Fokus. Dabei spreche ich nicht einmal von Lehrkräftemangel oder Schulausstattung. Sondern unter anderem von:

  • fachlichen Lücken bei Kindern am Übergang Grundschule-Sekundarstufe I oder Sekundarstufe I-Sekundarstufe II und einer damit verbundenen, zunehmenden Heterogenität innerhalb der Klassen
  • der Abnahme notwendiger Grundkompetenzen, zum Beispiel der Fähigkeit zu selbstorganisiertem Lernen
  • zunehmender Frustration und Schulmüdigkeit, einem Rückgang von Motivation und Resilienz, damit ein frühes Aufgeben und Abbrechen und nicht zuletzt einer Zunahme von Krankheiten wie Depression oder Angstzuständen
  • der Delegation gesellschaftlicher Problemlösungen als Querschnittsaufgaben an Schulen (durch Politik und Behörden)


Lehrkräfte gewinnen und Bildung neu denken

Diese Entwicklungen verdeutlichen den dringenden Investitionsbedarf: von zusätzlichem Fachpersonal im Unterricht über den Ausbau multiprofessioneller Teams bis hin zu erweiterten Förderangeboten, damit Bildungserfolg weniger von sozialen Rahmenbedingungen abhängt.

Dazu gehört auch ein Umdenken in der Ausbildung und Gewinnung von Lehrkräften. Es bedarf eines durchgängigen pädagogischen und methodisch/didaktischen Konzepts, das junge Menschen in ihrer Gesamtheit wahrnimmt und Erfolgserlebnisse fördert. Zudem benötigen wir eine lernförderliche Umgebung sowie Ausstattung. Daneben ist eine stärkere Verbindung von Schulen zur außerschulischen Welt, etwa der Berufswelt, wichtig, um die Sinnhaftigkeit des Erlernten erlebbar zu machen.

Das gerne vorgebrachte Argument, dass es doch früher „auch ohne“ ging, wird der jungen Generation und ihrer Lebenswirklichkeit nicht gerecht. Es wird unserer Gesellschaft dauerhaft eher schaden als nützen.

Warum verändert sich also so wenig, wenn der Bedarf offenkundig ist? Es scheint, dass die Politik entweder die Notwendigkeit nicht erkennt, in Schulen und unsere Jugend zu investieren. Oder es ist unklar, wie dies geschehen soll – auch, weil föderale Strukturen umfassende Reformen erschweren. Gleichzeitig sind langfristige Maßnahmen und Umstrukturierungen kosten- und personalintensiv. Bürokratische Hürden erschweren das Nutzen von Angeboten, so zum Beispiel beim Digitalpakt, oder die Gewinnung von Lehrkräften, zum Beispiel beim Quereinstieg.

In der Konsequenz sind Schulen auf sich selbst gestellt und suchen – soweit möglich – nach individuellen und kreativen Lösungen für ihre Herausforderungen. Es kann dabei jedoch nicht der Anspruch sein, dass Schulen diese Aufgaben dauerhaft allein bewältigen müssen.
 

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