Digitale Beteiligung für Menschen in Armut

IB fordert Online-Zugang für alle

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Seit zehn Jahren schreitet die Digitalisierung auch in Deutschland rasant voran. Ob in Wirtschaft, Bildung, Kultur oder Freizeit, immer mehr Menschen nutzen digitale Angebote, vorausgesetzt sie verfügen über die nötige Hard- und Software sowie die Kompetenzen, diese zu bedienen. Die Coronakrise beschleunigt diese Entwicklung seit 2020, denn viele Unternehmen und Organisationen, aber auch Ämter, Behörden und Schulen erfahren derzeit einen regelrechten Digitalisierungsschub, um in Zeiten von Lockdown und AHA-Regeln den Betrieb weiter am Laufen halten zu können. Menschen in Armut bleiben davon allerdings meist ausgeschlossen: Sie besitzen in der Regel weder Computer noch WLAN und haben während der Pandemie oft nicht einmal die Möglichkeit zur Sicherung ihrer Grundrechte. Eine neue Studie des Capgemini Research Institute zeigt, dass bereits vor dem Ausbruch der Krise 69 Prozent der Menschen ohne Online-Zugang in Armut lebten und fast die Hälfte der „Offline-Bevölkerung“ sich Zugang zum Internet wünscht. Denn immer öfter können sie beispielsweise Sozialleistungen nur online beantragen, Beratungen finden über Meeting-Tools statt und Unterricht nicht in Schulen, sondern in digitalen Klassenräumen. Auch der Zugang zum Arbeitsmarkt und die Jobsuche sowie zu politischen und kulturellen Angeboten ist für Menschen ohne digitalen Zugang erschwert oder verhindert. „Diese Menschen werden in der digitalen Kommunikation unsichtbar und dadurch von der Gesellschaft vergessen“, beklagt IB-Vorstandsvorsitzender Thiemo Fojkar die aktuelle Situation. „Durch Corona wird der Effekt noch verstärkt und Menschen in Armut bei der gesellschaftlichen Teilhabe weiter abgehängt.“ 

Der IB setzt sich daher mit anderen Sozialverbänden dafür ein, dass öffentliches WLAN und eine digitale Mindestausstattung aus Computer oder Laptop mit Drucker flächendeckend allen Menschen zur Verfügung stehen muss. „Es gilt, die digitale Kluft zwischen denen, die materiell und persönlich in der Lage sind, um am digitalen Leben teilzuhaben, und den Menschen, denen diese Voraussetzungen fehlen, zu überwinden“, fordert Thiemo Fojkar. Neben einer technischen Grundausstattung für alle gehören dazu auch die Vermittlung digitaler Kompetenzen, insbesondere für von Armut betroffene Kinder und Jugendliche, damit diese gleiche Bildungschancen wie Kinder aus wohlhabenden Familien haben. „Digitale Teilhabemöglichkeit ist ein soziales Grundrecht, das gewährleistet werden muss,“ sagt Thiemo Fojkar, „damit soziale Ausgrenzung verhindert und der Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen, Bildung und Arbeit ermöglicht wird.“


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