Was hat politische Bildung mit Demokratie zu tun? Alles. Demokratie benötigt Menschen, die sich ein eigenes Urteil bilden, Informationen kritisch hinterfragen und wissen, wie sie sich einbringen können. Politische Bildung schafft dafür wichtige Voraussetzungen.
Viele junge Menschen blicken zunehmend besorgt auf ihre Zukunft und haben immer weniger Vertrauen in die Politik. Gleichzeitig nimmt die Polarisierung zu. Das zeigt die diesjährige Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026“. Einen besonders beunruhigenden Befund liefert eine aktuelle Analyse zu extremistischen Einstellungen: Binnen zwei Jahren hat sich der Anteil der 16- bis 21-Jährigen, die „offen für rechte Ideologien“ sind, von 9,4 auf 19,4 Prozent mehr als verdoppelt.
Wir müssen diese Entwicklungen sehr ernst nehmen. Im September stehen in drei Bundesländern wichtige Landtagswahlen an. Ich blicke wie viele andere mit Sorge auf diese Wahlen. Nicht die Wahlen selbst geben Anlass dazu, sondern die zunehmende gesellschaftliche Polarisierung und der wachsende Zuspruch für Positionen am äußersten rechten Rand. Das ist nicht nur in diesen drei Bundesländern zu beobachten, sondern mit unterschiedlicher Ausprägung in allen Bundesländern unserer Republik.
Politische Bildung wird diese Entwicklungen nicht allein umkehren. Aber sie ist ein wichtiges Werkzeug. Sie stärkt junge Menschen darin, Informationen einzuordnen, einfache Antworten bei komplexen Themen zu hinterfragen und sich ein eigenes Urteil zu bilden. Und sie macht Demokratie erfahrbar: wenn junge Menschen diskutieren, widersprechen und erleben, dass ihre Stimme zählt.
Dabei geht es nicht darum, ihnen vorzugeben, was sie denken oder wählen sollen. Im Gegenteil: Politische Bildung soll Menschen befähigen, selbst zu urteilen. Und sie endet nicht im Klassenzimmer. Sie ist ein lebenslanger Lernprozess.
Politische Bildung gehört zum Auftrag des IB
Als Bildungsträger nehmen wir diese Verantwortung ernst. Politische Bildung ist für den IB seit seiner Gründung eine zentrale Aufgabe in allen Bereichen seiner Arbeit. Wir setzen sie mit eigenen Seminaren, Workshops und Projekten ganz praktisch um.
Als von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) anerkannter Bildungsträger setzen wir jährlich geförderte Workshops um – etwa zu Rechtsextremismus, Desinformation und Hate Speech.
Unsere Fachkräfte multiplizieren das Wissen und die Methoden in ihre tägliche Arbeit, indem sie diese an Teilnehmende weitergeben. Eng verbunden ist die politische Bildungsarbeit mit unserer Stiftung Schwarz-Rot-Bunt (SRB), die sich für Demokratieförderung und gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit einsetzt.
Die aktuellen Entwicklungen in Deutschland zeigen: Wir müssen die Sorgen junger Menschen ernst nehmen, ihnen zuhören und ihnen zeigen, dass ihre Stimme zählt. Sehr lange haben wir Demokratie als selbstverständlich betrachtet. Doch sie wird nicht ohne unser Zutun von einer Generation an die nächste weitergegeben. Sie muss immer wieder neu gelernt, erlebt und gelebt werden. Dafür brauchen wir politische Bildung. Demokratie wagen heißt, aktiver Teil dieser Gesellschaft zu sein.