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Politische Bildung zum Mitmachen – Wie Workshops für Demokratie junge Menschen stärken

Nachgefragt bei Jannes Rupf, Projektkoordinator Politische Bildung beim IB Süd

Porträt von Jannes Rupf.
Jannes Rupf entwickelt und leitet Workshops der politischen Bildung beim Internationalen Bund (IB). Foto: IB

Kriege, steigende Lebenshaltungskosten, gesellschaftliche Polarisierung oder Rechtsextremismus – viele junge Menschen blicken mit Sorge auf die Welt. Mit seinen bundesweiten Angeboten der politischen Bildung unterstützt der Internationale Bund (IB) Jugendliche und Fachkräfte dabei, gesellschaftliche Entwicklungen einzuordnen, demokratische Kompetenzen zu stärken und Informationen kritisch zu hinterfragen. Wie das in der Praxis gelingt, erklärt Jannes Rupf, Projektkoordinator Politische Bildung beim IB Süd. 

Herr Rupf, welche Themen beschäftigen junge Menschen in Ihren Workshops derzeit besonders? 

Viele Jugendliche sprechen über die Krisen unserer Zeit: Kriege, steigende Preise, bezahlbares Wohnen oder die Frage, welche Zukunftschancen sie überhaupt noch haben. Auch Rechtsextremismus und die zunehmende Polarisierung der Gesellschaft beschäftigen viele. 

Interessant finde ich allerdings, dass der Klimawandel zuletzt kaum noch genannt wurde. Das hat mich überrascht. Ich hätte erwartet, dass dieses Thema gerade junge Menschen besonders bewegt. Offenbar ist es angesichts der vielen anderen Krisen etwas in den Hintergrund gerückt.  

Was machen Sie konkret in Ihren Workshops? 

Uns ist wichtig, dass die Teilnehmenden selbst aktiv werden. Im Workshop „#5vor33“ setzen sie sich beispielsweise mit Rechtsextremismus auseinander. Gemeinsam schauen wir darauf, wie rechtsextreme Parteien und Bewegungen arbeiten, welche Rolle soziale Medien spielen und welche Möglichkeiten jede*r Einzelne hat, demokratisch Haltung zu zeigen.  

In unserem Angebot zu Fake News arbeiten wir beispielsweise wie kleine Detektive*Detektivinnen. Wir nutzen die Google-Bilder-Rückwärtssuche, prüfen mit Google Street View, ob ein Ort wirklich zu einem Bild passt, oder vergleichen Wetterdaten. So lernen die Teilnehmenden, Informationen kritisch zu hinterfragen. 

In anderen Workshops entwickeln wir Memes als Reaktion auf Hass im Netz oder zeigen, wie man Hasskommentare meldet oder online Anzeige erstatten kann. Es geht also nicht nur darum, über Demokratie zu sprechen, sondern konkrete Werkzeuge an die Hand zu geben.  

Sie setzen auch Computerspiele in Ihren Workshops ein. Wie funktioniert das? 

Wir arbeiten mit sogenannten Serious Games. Dabei nutzen wir bereits existierende Computerspiele und entwickeln dazu ein pädagogisches Konzept. 

In einem Spiel erleben die Teilnehmenden beispielsweise den Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Berlin in den 30ern und 40ern des letzten Jahrhunderts. In einem anderen schlüpfen sie in die Rolle einer Ermittlerin, die nach dem Zweiten Weltkrieg NS-Verbrechen aufklärt. Ein drittes beschäftigt sich mit dem Thema Zwangsarbeit

Solche Formate machen Geschichte erlebbar. Unsere Erfahrung ist: Wenn Jugendliche selbst Entscheidungen treffen und Situationen erleben, bleibt deutlich mehr hängen, als wenn sie sich nur einen Vortrag anhören.  

Welche Rolle spielen soziale Medien bei der politischen Meinungsbildung? 

Eine sehr große: Viele junge Menschen beziehen ihre Informationen überwiegend über soziale Medien. Das eröffnet Chancen, birgt aber auch Risiken. 

Deshalb ist es wichtig, dass seriöse Medien dort ebenfalls präsent sind und ihre Inhalte zielgruppengerecht aufbereiten. Wenn verlässliche Informationen junge Menschen nicht erreichen, entsteht Raum für Akteure, die Desinformation oder menschenfeindliche Inhalte verbreiten.  

Woran merken Sie, dass ein Workshop etwas bewirkt hat? 

Oft sehen wir das schon während des Workshops. Manchmal verändert sich die Stimmung im Raum oder jemand beginnt sichtbar nachzudenken. 

Ein Jugendlicher sagte einmal zu Beginn eines Workshops über Hate Speech: Man kann doch alles sagen." Als er anschließend sexistische Beleidigungen laut vorlesen sollte, die in einem Video beispielhaft eingeblendet wurden, geriet er plötzlich ins Stocken. Da hat man gemerkt, dass etwas in Bewegung gekommen ist. Solche Momente zeigen, dass Menschen anfangen, ihr eigenes Denken zu hinterfragen.  

Natürlich können wir langfristige Veränderungen nur selten beobachten, weil wir meist nur ein oder zwei Tage mit einer Gruppe arbeiten. Rückmeldungen von Lehrkräften oder pädagogischen Fachkräften zeigen aber immer wieder, dass viele Inhalte auch nach den Workshops weiter diskutiert werden.  

Warum ist politische Bildung gerade heute so wichtig? 

Politische Bildung kann Menschen darin stärken, ihre Rechte zu kennen, demokratische Handlungsmöglichkeiten zu entdecken und sich mit anderen zu vernetzen. Sie zeigt, dass niemand mit seinen Sorgen allein ist und macht deutlich, welche Antworten Demokratie auf gesellschaftliche Herausforderungen bietet. 

Wenn es gelingt, Menschen zu erreichen, kann politische Bildung deshalb einen wichtigen Beitrag dazu leisten, demokratische Werte zu stärken und extremistischen Positionen etwas entgegenzusetzen. 

Vielen Dank für das Gespräch! 

Das Interview führte Stefanie Vasa. 

Neugierig geworden?

Die aktuelle Broschüre bündelt alle Workshops, Serious Games und weiteren Angebote der politischen Bildung des IB Süd.

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